Das Wochenende der Lokalmatadore

Lions-Jazz 2017 präsentiert zweites Set von Konzerten  

Nach einem erfolgreichen Auftakt mit Janice Dixon, Wolfgang Meyer und Peter Lehel und Vincent Klink und Patrick Beebelar am vergangenen Wochenende präsentiert Lions-Jazz am 17. März um 20.00 Uhr in der Lanz-Villa in der ErzbergerStraße 17 „The Art of Duo“. Im ersten Set spielen Laurent Leroi und Michael Herzer Tangos. Nach der Pause gibt es „High Energy Jazz“ mit Lömsch Lehmann und Erwin Ditzner. Für das Konzert gibt es noch Karten an der Abendkasse. Das Konzert von Thomas Siffling am 18. März „Kind of Blue -A Tribute to Miles Davis“ ist bereits ausverkauft. Das Jazzkonzert für Kinder „Herr Hering, die liebe Frau Gerburg und die Jazzband“ am 19. März um 11:00 Uhr findet in der freien Waldorfschule in Mannheim-Neckarau statt. Der Eintritt ist frei.   


Lions-Jazz ist der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Mannheimer Lions-Clubs das hundertjährige Jubiläum der Lions Idee feiern. Mehr Informationen zu den weiteren Aktivitäten im Internet unter: http://www.lions-in-mannheim.de

Keine Minute kommt Langeweile auf

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 14.03.2017

Koch habe er gar nicht werden wollen, bekennt Vincent Klink, als eben solcher wohlbekannt durch ein von ihm geführtes Stuttgarter Gourmet-Restaurant und vor allem zahlreiche Auftritte im Fernsehen. Nach der Schule, so der 68-Jährige, sei er in seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd erst mal als Volontär einem Bildhauer zur Hand gegangen.
Der wiederum habe in Paris Pablo Picasso kennengelernt und sei von diesem Anfang der 1950er Jahre im Schwäbischen besucht worden - ein schneller Abstecher von Stuttgart aus, wohin Autonarr Picasso damals einen amerikanischen Freund und Kunstmäzen zur Inspektion von dessen Mercedes-Sportwagen, "der mit den Flügeltüren", begleitet habe.
Eine andere Pariser Bekanntschaft des Bildhauers, von dem dieser dem jungen Vincent Klink erzählte, war ein Künstler russischer Herkunft, der aber nur wenig Erfolg hatte. Jahrzehnte danach will Klink, inzwischen selbst regelmäßiger begeisterter Paris-Besucher, das Grab des Russen auf dem Friedhof Montparnasse besichtigen. Kommt aber nicht dazu, weil es halb zwölf Uhr mittags ist: die Tageszeit, zu der sich gebieterisch des Feinschmeckers Magen meldet. Dank Smartphone-App ist ein passendes Bistro in der Nähe rasch gefunden, es bietet Spezialitäten aus dem Südwesten Frankreichs. Nach einem opulenten Mahl nebst reichlichem Weingenuss schafft es der rundum köstlich Bediente gerade noch per Taxi ins Hotel. Der Verdauungsschlaf dauert bis zum nächsten Morgen.


Viele Blicke über den Tellerrand. 
Auf so verschlungenen Wegen plaudert Vincent Klink aus seinem Leben, und keine Minute kommt Langeweile auf. Er redet überwiegend frei, erst die Episode im Bistro ist eine Lesung aus seinem Bestseller-Buch "Ein Bauch spaziert durch Paris", Grundlage des Vortragsabends in der Mannheimer Lanz-Villa. Wobei er sich auf Kulinarisches keineswegs beschränkt: Klink verfügt über weit gespanntes historisches Wissen und einen geschärften Blick für aktuelle Missstände, er spart nicht mit Kritik an den erbärmlichen Lebensbedingungen afrikanischer Immigranten oder der im Nachbarland nur sehr oberflächlichen Aufarbeitung der NS-Kollaboration Vichy-Frankreichs während des 2. Weltkriegs.
Aufgelockert wird sein Vortrag immer wieder durch Musik. Denn Klink hat in vergleichsweise hohem Alter noch Trompete spielen gelernt. In Mannheim bläst er das selten gehörte Bassflügelhorn, meistert darauf selbst vertrackte Bebop-Melodien und wagt sich auch mit beachtlichem Erfolg ans Improvisieren. In Pianist Patrick Bebelaar hat er einen verlässlichen, auf ihn eingespielten Duo-Partner, der in seinen eigenen Soli mit Vehemenz zur Sache geht.
Ein höchst vergnüglicher Abend im Rahmen von Lions-Jazz 2017. Veranstaltet von den fünf in Mannheim bestehenden Clubs der bürgerschaftlichen Organisation, soll dieses Jazzfestival künftig alle zwei Jahre in Mannheim. (swm)
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Mit Ditzner und Siffling

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 16.03.2017

MANNHEIM. Seit 100 Jahren gibt es den Lions-Club in Mannheim, und daran sollen auch die Bürger teilhaben. Zu dem Jubiläum organisiert der Serviceclub eine Jazzreihe mit regionalen Spitzenvertretern des Genres in der Lanz-Villa (Erzberger Straße). Es stehen zwei hochkarätige Konzerte an. Den Auftakt macht am Freitag, 17. März, 20 Uhr, ein Doppel-Konzert unter dem Titel "The Art of Duo": Zu hören sind Erwin Ditzner (Schlagzeug) und Lömsch Lehmann (Klarinette, Saxophon) sowie Laurent Leroi (Akkordeon) und Michael Herzer (Kontrabass).


Bereits seit 2007 besteht das Ditzner Lömsch Duo, das 2008 mit dem Album "Schwoine" mit experimentierfreudig-gewitzter Musik jenseits aller melodiöser Moden begeisterte. An diesem Abend präsentiert das Duo ein neues Album mit Material, das einmal nicht dem High-Energy-Spiel verpflichtet ist und atmosphärisch von "El Corazon", dem Duo-Klassiker von Don Cherry und Ed Blackwell, inspiriert wurde. Das Duo Leroi/Herzer hat sich indes dem Tango verschrieben - vom Tango Clásico bis zum Django's Tango, vom finnischen Tango bis zu den Tango-Cousinen Vals und Milonga. 25 Euro kostet der Eintritt.

Davis-Tribut ausverkauft 
Bereits ausverkauft ist das Konzert von Thomas Siffling in der Lanz-Villa nur einen Tag später: Für das "Tribute to Miles Davis - Kind of Blue" gibt es keine Karten mehr. Info: Tickets für den 17. März unter www.eventbrite.de (15 bis 25 Euro). sdo
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Am Ende bricht doch das Temperament durch

© Mannheimer Morgen, 
Montag, 20.03.2017

Gute zwei Stunden lang wird der kleine Konzertsaal in der Mannheimer Lanz-Villa zum blauen Salon. Kühle, aber um so intensiver spürbare Melancholie prägt die Musik des Sextetts an der Stirnseite des Raumes. Mannheims Startrompeter Thomas Siffling hat es gebildet, um eins der bedeutendsten Plattenalben der Jazzgeschichte live auf der Bühne wiederaufleben zu lassen, in genau der gleichen instrumentalen Besetzung: "Kind Of Blue" von Trompeter Miles Davis aus dem Jahr 1959.


"So What", "Blue In Green" und natürlich der "All Blues": Jedes Stück der Platte erklingt im Originalarrangement; alles auch in den langsamen Tempi des Originals, wobei die fixe Besenarbeit des Saarbrücker Schlagzeugers Oliver Strauch oft eine schnellere Gangart suggeriert. Improvisiert wird nach eigenem Gusto, aber ebenfalls nahe am Vorbild, mit subtilen Tastentupfern von Pianist Volker Engelberth, so gut das geht an einem reichlich ramponierten altertümlichen Flügel, und vielen lang ausgehaltenen Tönen vor allem der Trompete. "Herrlich unaufgeregt" nennt Thomas Siffling in einer seiner Ansagen diese Musik.


Die allerdings einst für eine stimmungsvolle Konzept-LP geschaffen und von Miles Davis selbst nie in ihrer Gänze auf die Konzertbühne gebracht wurde. Und siehe da: Bei aller Verehrung für die blauen Töne verlangt auch in Mannheim das Jazzer-Temperament machtvoll sein Recht. In den letzten beiden Stücken, nicht von "Kind Of Blue", bricht es durch, liefert sich Thomas Siffling an der gestopften Trompete ein aberwitziges Duett mit dem Stuttgarter Bassisten Mini Schulz, und dessen Landsmann Jürgen Bothner geht am Tenorsaxofon in die Vollen zusammen mit Oliver Strauch an den Trommeln. Den Vogel schießt Altsaxofonist Olaf Schönborn ab, durch einen unglaublich wilden und doch völlig kontrollierten Ausbruch über die wohlvertrauten "I Got Rhythm"-Harmonien der Sonny-Rollins-Melodie "Oleo".

Beste Aussichten für die Zukunft 
So geht, bis auf eine sonntägliche Matinee für Kinder und Junggebliebene, ein Festival zünftig zu Ende, das Thomas Siffling im Auftrag der fünf Mannheimer Lions-Clubs erstmals zusammengestellt hat. Wie es der Programmatik der Clubs entspricht, unter besonderer Berücksichtigung der regionalen Jazz-Szene, und dies ohne stilistische Scheuklappen. Ein doppelter Duo-Abend brachte es auf den Punkt: Zuerst präsentierten Laurent Leroi am Akkordeon und Michael Herzer am Kontrabass ihr "Mission Tango"-Programm, mit klassischen Tango-Melodien und vielen eigenen Kompositionen in deren Geiste; alles sehr authentisch klingend und kein bisschen angestaubt.
Danach dann das Kontrastprogramm: Erwin Ditzner am Schlagzeug zusammen mit dem Speyerer Lömsch Lehmann an Tenorsaxofon und Klarinette, der wegen seiner üppigen Haarpracht und seinem recht unkonventionellen Bewegungsdrang beim Spielen schon optisch eine Attraktion darstellt; musikalisch aber ebenso kompromisslos ins Freie drängend. Das überwiegend ältere und vielleicht nicht allzu jazzerfahrene Publikum in der Lanz-Villa war trotzdem nicht erschrocken, sondern hingerissen. Beste Aussichten für das nächste Mannheimer Lions-Jazz-Festival in zwei Jahren.
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Jazz zum Jubiläum

© Mannheimer Morgen, 
Freitag, 03.02.2017